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Poststraße 8 / Johannis Straße 7

 

Poststraße 8 / Johannis Straße 7, April 1937
Poststraße 8 / Johannis Straße 7, April 1937
Poststraße 8 / Johannis Straße 7 im Jahr 2014
Poststraße 8 / Johannis Straße 7 im Jahr 2014
 

Das Eckgrundstück Post- und Johannis Straße, dessen einstiges hölzernes Wohnhaus heute nur noch auf Fotos zu betrachten ist, war möglicherweise schon im 17.Jh. bebaut. Und vermutlich war es der Krug, dessen Strohdach im Jahr 1715 in sehr schlechtem Zustand beschieben und der als verlassener Krug bezeichnet wurde. Der Krug hätte renoviert und einem Hasenpother zum Handel mit Bier und Branntwein vom Gutshof Neu-Laschen verpachtet werden sollen. Das geschah aber nicht und der Krug brach zusammen.

Dieses Grundstück war eines der beiden Besitztümer des Gutshofs Neu-Laschen des kurländischen Herzogs im Stadtgebiet (siehe auch Poststraße 5). Im Jahr 1761 genehmigte Herzog Karl von Sachsen (der Sächsische Prinz Karl Christian Joseph), es an Hasenpoths Bürgermeister Johann Samuel Heroldt für 4 Albertreichstaler im Jahr zu verpachten. Der Pächter durfte die Grundstücke bebauen und die Bauten wie sein Eigentum nutzen.

Mit dieser Entscheidung des Herzogs war aber der Laschensche Pächter Karl Ludwig Vietinghoff-Scheel nicht einverstanden. Er betrachtete beide Grundstücke auch weiterhin als Eigentum des Gutshofes Neu-Laschen. Er konfiszierte alle an Heroldt gelieferten Baumaterialien und der Bürgermeister war gezwungen, sich darüber beim Herzog zu beschweren. Am 30. Juli 1762 ordnete der Herzog die Rückgabe der konfiszierten Baumaterialien an Heroldt an. Außerdem forderte er Vietinghoff–Scheel auf, Heroldt ungestört sein Recht ausüben zu lassen, welches ihm laut Pachtvertrag vom 13. Mai 1762 zustand.

Am 29. November 1782 verpachtete der kurländische Herzog Peter Biron dieses Grundstück dem Hebräer Heymann Wulff gegen eine Jahrespacht von 9 Talern. Der Pächter durfte das Grundstück umzäunen und bebauen, sowie auch das Pachtrecht an Dritte mit gleichen Vertragsbedingungen weiter geben.

Im Jahr 1797 erkennt man auf dem Stadtplan die Bebauung entlang der Poststraße, während an der Johannis Straße nur ein kleines, separates Häuschen steht.

1802 wurde ein Vertrag geschlossen, in dem die Vormünder des minderjährigen Marcus Wulff, Sohnes des verstorbenen Heymann Wulff, Rechte an diesem Grundstück auf 90 Jahre für 900 Albertreichstaler an Moses Izig Cohen übertragen.

1811 und 1834 war David Moses Kahn (auch Cohen) Eigentümer. Gerade zu der Zeit wurde am Gebäude zur Poststraße ein Anbau zur Johannis Straße gebaut, der auf dem Stadtplan von 1812 noch nicht aber auf dem Plan von 1830 schon eingetragen ist.

Cohen soll diese Liegenschaft bis 1885 gehört haben, als Schneidermeister Isak Gelhaar sie für 4.000 Rubel von David Cohens Sohn Moritz kaufte.

1912 hat Voldemārs Fenskis das Haus für 4.900 Rubel gekauft und umgebaut. Genauere Information darüber gibt es nicht. Aber vermutlich war der Umbau sehr umfangreich, denn 1913 hat Jānis Elgutis dafür 12.500 Rubel an Fenskis gezahlt.

1922 kaufte Matīss Untenbergs dieses Haus für 15.000 Lettische Rubel.

1927 wollte er es aufstocken und beantragte ein Darlehn bei der lettischen Hypothekenbank. Bei Überprüfung der Pläne stellte die Bank fest, dass es viel zu teuer ausfallen würde und der Eigentümer verzichtete auf die Durchführung. Doch 1928 lieh die Bank 5.000 Lat für eine Haussanierung, weil sie am 28. Mai 1928 festgestellt hatte, dass das Haus alt und verfallen aussah und daher eine Grundsanierung notwendig sei. Das Grundstück befand sich ja im vornehmsten Teil von Hasenpoth und war deshalb sehr attraktiv.

1929 bat Untenbergs die Bank um weitere 3.500 Lat zur Fortsetzung der Sanierung und zum Ausbau.

Am 12. September 1933 kaufte der II. Libausche Kreditverein auf Gegenseitigkeit diese Liegenschaft für 8.971 Lat auf einer Auktion. Im Haus waren 5 Wohnungen (11 Zimmer, 5 Küchen) und 3 Geschäftsräume.

In der Bewertung vom 17. April 1934 wird festgestellt, dass der Zustand des Wohnhauses als nicht befriedigend einzuschätzen ist. Eine ordentliche Innenraumsanierung ist nur in einem Teil der Räume durchgeführt. Es ist keine Grundsanierung vorgenommen worden: das Dach ist undicht, die Holzbalken der Außenwände zum Teil beschädigt, die Decken vieler Räume hängen wohl wegen defekter Balken durch. Trotzdem sind alle Räume bewohnt. Der Schätzwert beträgt 14.100 Lat.

Am 9. Juli 1935 kaufte die lettische Kreditbank das Grundstück.

Am 6. April 1937 unterzeichnete der Vorstand der lettischen Hypothekenbank nach Anforderung der lettischen Kreditbank die Grundstücksbewertung, in der u.a. steht, dass die Stadtverwaltung Hasenpoth entweder totale Grundsanierung oder Abriss des Hauses verlangt.

In der Taxierungsakte steht, dass das Gebäude ein 1 ½ Stockwerke hohes hölzernes Wohnhaus mit Pfannendach ist und aus 12 Wohn-, 9 Handels- und Nebenräumen besteht. Der Gebäudewert beträgt 9.464 Lat, der Grundstückswert 1.000 Lat. Monatliche Einnahmen von den Läden und Wohnungen 105 Lat.

Am 1. Juni 1937 kaufte Pēteris Sprieslis, der hier seine Schreinerei hatte, die Liegenschaft von der lettischen Kreditbank für 7.701,97 Lat

Die ältesten überlieferten Informationen über die geschäftlichen Aktivitäten bezeugen im Jahr 1825 unter dieser Adresse David Kahns Manufaktur– und Galanteriewarenhandlung. 1884 befand sich auf der Seite der Johannis Straße Brauers Werkstatt für Lithografie.

In den Jahren des Ersten Weltkrieges sei auf der Seite der Johannis Straße. Peisach Kosaks Kolonialwarengeschäft gewesen, das Philip Kosak hier noch in den 1920er Jahren hatte. Dann war auf dieser Seite auch Meier Haases Werkstatt für Schuhoberteile, aber auf der Seite der Poststraße Jānis Kalniņš’ Schusterwerkstatt.

Anfang der 1920er war in der Poststraße Simon Bluhms Getreidehandel. Nach 1922 hatten hier Matīss Untenbergs seinen Wein – und Branntweinhandel und Augusts Mākens seinen Frisörsalon. 1925 war hier auch das Trakteur des Handwerkervereins, in dessen Räumen einige Jahre später der Kurländische Landhandel war.

In den 1930ern war in der Poststraße Kate Untenbergas Teestube.

Außerdem waren in diesem Haus noch Rebecka Kifels und Žanis Strazdinš’ Lebensmittelgeschäfte, Bernhards Dzenis’ Fleisch- und Wurstwarenhandel, Kriš Pumpurs’ Fahrradgeschäft und Handel mit Maschinen zur Milchverarbeitung und Philipp Kosaks Handel für Sattlerbedarf und Fuhrwerke.

 

 

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