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Das livländische Ordensschloss

 

Zu Beginn des 20. Jh. Blick von NO
Zu Beginn des 20. Jh. Blick von NO
Burgruine im Jahr 2014 Blick von NO
Burgruine im Jahr 2014. Blick von NO
 
Ordensschloss 20.Jh., Blick von NO
Ordensschloss 20. Jh., Blick von NO
Burgruine, Nordseiteim Jahr 2015
Burgruine, Nordseite im Jahr 2015
 
Ordesschloss, Westseite, um 1900
Ordensschloss, Westseite, um 1900
Burgruine Westseite im Jahr 2001
Burgruine, Westseite im Jahr 2001
 
Ordensschloss SO 1920er bis 1930er Jahre
Ordensschloss, SO 1920er bis 1930er Jahre
Burgruine SO im Jahr 2015
Burgruine, SO im Jahr 2015
 
Ordensschloss, Hofseite Beginn 20.Jh
Ordensschloss, Hofseite Beginn 20.Jh
Burgruine, Hofsseite im Jahr 2015
Burgruine, Hofseite im Jahr 2015

 

Zur Zeit des Livländischen Ordensstaates war Schloß Hasenpoth mit den zugehörigen Ländereien Eigentum des Komturs von Goldingen. Das genaue Baujahr des Schlosses ist nicht bekannt.

In der Literatur wird öfter 1249 als Baujahr angegeben. Diese ungesicherte Information findet man schon in der Reisebeschreibung des Freiherrn Ulrich von Schlippenbach: "Das Ordensschloss Hasenpoth wurde 1249 vom Heermeister Dietrich von Grüningen gebaut."

Auch der Baustil des Schlosses lässt nicht auf 1249 als Baujahr schließen. Ende des 13. Jh. waren nur die Befestigungen des künftigen Schlosses fertig. Aus der Nutzung als Getreidespeicher im Jahre 1341 kann man aber schließen, dass es schon weitgehend fertig gestellt war. Aber das erste Wohngebäude ist wahrscheinlich erst um die Jahrhundertwende 14. /15. Jh. gebaut worden. Die erste schriftliche Quelle, in der das Schloss erwähnt wird, ist die Lehnsurkunde vom 1. August 1397. „In unserem Ordensschloss, genannt Hasenpoth, in Kurland“ (in castro ordinis nostri Hasenpute dicto in Curonia). Darin belehnt der livländische Ordensmeister Wennemar von Brüggen den Komtur von Goldingen Heinrich Valkenhagen mit einer Wiese bei Schloss Durben. Das ist auch das erste Zeugnis für die Anwesenheit  des Ordensmeisters in Hasenpoth.

In einer anderen historischen Quelle nennt man das livländische Ordensschloss Freundesburg (Vrundenborgh) vielleicht, um die freundschaftliche Beziehung zu dem Schloss des kurländischen Domkapitels auf dem gegenüberliegenden Tebberufer zu bekunden.

1561 nach Zusammenbruch des Ordensstaates und Gründung des Herzogtums Kurland wurde der kurländische Herzog Gotthard Kettler Eigentümer des Schlosses samt Ländereien. 1562 belehnte er seinen Gefolgsmann Gerhard von Nolde mit Schloss Hasenpoth „samt Bauern und Boden, Höfen, Wiesen, Äckern – bestellten und unbestellten -, Wäldern und Gewässern – wie Seen, Flüssen und Bächen -, Weideland, Bienenstöcken, Fisch- und Vogelfangplätzen“ als Erbeigentum „für seine treuen Dienste gegenüber dem Orden und dem Herzog’’. Nolde baute auf der Innenseite der südlichen Schutzmauer ein zweites steinernes Wohnhaus.

Herzog Gotthard händigte 1574 Gerhard von Nolde ein neues Dokument aus, wonach ihm Schloss und Gutshof Hasenpoth als Erbeigentum übergeben wird. Da Nolde zu dieser Zeit einen Grenzstreit mit seinen Nachbarn führte, wurden mit dieser Urkunde die Grenzen des Gutshofs Hasenpoth neu festgelegt.

Gerhard von Noldes Beschreibung der Grenzen lautet wie folgt: dass sein Eigentum „beginnt und grenzt an Georg von Firckssches [Jürgen III. Markusson] Hasenpoth beim Mühlenteich von Hasenpoth, wo die Tebber in den Teich mündet. Weiter verläuft die Grenze aufwärts an der Tebber entlang bis an die Grenze des Besitzes von Jordan von Dortesen“ usw.

Verwirrung kann die Bezeichnung „Georg von Firckssches Hasenpoth” verursachen. Auch im Jahr 1598 benennt Georg von Fircks in seinem Testament als sein Eigentum - nebst den Gutshöfen Nurmhusen, Okten und Scheden  - auch das Schloss Hasenpoth, das er seinem jüngsten Sohn Markus von Fircks vermacht. Mit diesem Fircksschen ,,Schloss Hasenpoth” wird wahrscheinlich die ehemalige Residenz des Domkapitels Hasenpoth auf dem heutigen Kirchenberg gemeint sein. Georg von Fircks [Jürgen III. Markusson] hatte es vom kurländischen Bischof Johann von Münchhausen erhalten (vielleicht, wegen der Verwandtschaft mit dem Bischof – Fircks’ Frau Anna von Westphalen war eine Nichte des Bischofs), nach dem 1559 das Bistum Kurland aufgelöst war.

Gerhard von Nolde seinerseits vermachte in seinem Testament im Oktober 1597 Hasenpoth seinem ältesten Sohn Hans von Nolde. Im März 1659, während des Polnisch-Schwedischen Krieges, wurde das Schloss Hasenpoth von Schweden unter Führung des Oberst Fabian von Aderkas erobert, geplündert und zerstört.

Im Schloss hatten nach der Niederlage der vereinten Kriegsmächte Kurlands, Litauens und Polens etwa 400 Krieger, vorwiegend Kurländer, Unterkunft gefunden. Etwa 300 Krieger wurden von den Schweden gefangen genommen – darunter die Obersten von Korff und von den Brincken. Die Schweden nahmen auch 9 Fahnen, 6 Kanonen und zahlreiche Pferde als Beute.

1665 war das Schloss wieder in Stand gesetzt und Herzog Jakob errichtete darin seine Garnison mit einer Geschützmannschaft.

1667 wird Margarethe von Nolde als Eigentümerin des Schlosses Hasenpoth genannt. Sie soll das Schloss geerbt haben. Sie schuldete Kapitänleutnant Wilhelm von Mirbach 24900 Florin. Außerdem war sie auch bei anderen Gläubigern hoch verschuldet. Dadurch war sie im August 1667 gezwungen, eine Urkunde zu unterzeichnen, mit der Schlosses Hasenpoth, 3 Zimmer im Schloss, der Getreidespeicher, Stall, Korndarre und der Krug als erbliches Eigentum dem schon erwähnten Kapitänleutnant Wilhelm von Mirbach übergeben wurde.

Es ist nicht bekannt, wie Familie Nolde das Gut Hasenpoth in ihr Eigentum brachte, doch bekannt ist, dass Anfang des 18. Jh. Michael Friedrich von Nolde Eigentümer des Gutes Hasenpoth war. Er hatte das hoch verschuldete Haus geerbt. Die Gutswirtschaft war im Nordischen Krieg vernichtet, die Bauern während der Pest von 1710 gestorben. So sah sich Michael Friedrich von Nolde im November 1712 gezwungen, sich vom Gut Hasenpoth zu Gunsten seiner Gläubiger zu trennen. Noldes Kreditgeber einigten sich sofort und übertrugen Gut Hasenpoth auf Grund eines Pfandbriefes dem herzoglichen Feldmarschall Johann Heinrich von Keyserlingk. Doch schon im Oktober 1717 verkaufte er Schloss Hasenpoth an Karl Gustav Klopmann, dessen Ehefrau Sofia Magdalena eine geborene von Nolde war.

Einige Jahre später wollte sich Keyserlingk, der inzwischen Kanzler des Herzogtums Kurland geworden war, den Gutshof wieder aneignen. Und so schlossen Keyserlingk und Klopmann 1724 einen Tauschvertrag: Klopmann übergab das Gut Hasenpoth an Keyserlingk und bekam im Gegenzug das Gut Rudbahren (Rudbarži) und noch 4000 Florin dazu.

In einem Dokument von 1734 wird Keyserlingks Witwe Maria Anna von Schlippenbach als Eigentümerin des Gutes Hasenpoth genannt. Von ihr erbte Johann Emmerich von Keyserlingk das Anwesen, das er 1755 samt dem Gut Remessen (Remesi) für 145000 Florin der Gutsbesitzerin von Zirau (Cīrava) der Witwe Behr geborene Julia Eleonora von Bülow verkaufte.

1761 übergab die Witwe Behr das Gut Hasenpoth ihrer jüngsten Tochter Katharina Eleonora von Fircks.

1760-1762 wurde wahrscheinlich das neue Herrenhaus des Schlosses Hasenpoth - das so genannte ,,Neue Schloss‘‘ in der jetzigen Schulstr.1 gebaut. Das ehemalige Ordensschloss ,,das alte Schloss’’ wurde für die landwirtschaftliche Nutzung eingerichtet und zu Knechtswohnungen umgebaut.

1776 verkauften Katharina Eleonora von Fircks und ihr Ehemann Friedrich Ewald von Fircks das Gut für 110000 Florin ihrem Sohn Friedrich Christoph Ewald von Fircks und seiner Ehefrau Juliane Konstantine Albertine Caroline geborene von den Brincken.

1784 willigte der Piltensche Landrat Friedrich Ewald von Fircks ein, einen Raum des ehemaligen livländischen Ordensschlosses als Gefängnis zu nutzen.

1801 schloss Friedrich Christoph Ewald von Fircks einen Tauschvertrag mit dem Kanzler Friedrich von Roenne, mit dem letzterer Eigentümer des Schlosses Hasenpoth wurde. Fircks selbst aber erhielt von Roenne das Gut Dannenhof (Priežumiža) und 90000 Taler dazu.

Schon im nächsten Jahr verkaufte Friedrich von Roenne das Gut für 120000 Taler seinem Sohn Karl Dietrich Otto von Roenne.

Während des Krieges von 1812 wurde im Ordensschloss ein Getreidespeicher der Krone eingerichtet.

Nach Friedrich von Roennes Tod im Juni 1845 schloss seine Witwe Henriette von Roenne geborene von Fircks mit ihren Kindern einen Vertrag über die Verteilung des Erbvermögens. Da der Erwerb des Gutes Hasenpoth 1801 per Tausch erfolgt war und die Zuzahlung aus der Mitgift ihrer Mutter beglichen worden war, verzichteten die Kinder auf ihr Erbteil zu Gunsten ihrer Mutter. So blieb das Gut im Besitz von Henriette von Roenne bis zu ihrem Tode 1866. Das oberste Gericht Hasenpoth bestätigte nur den Erbanspruch von Henriette von Roennes Kindern an dem Gut. Die Erben behielten den Gutshof aber nicht. Noch im selben Jahr wurde er für 400000 Rubel an Generalmajor Ferdinand von Tornow verkauft.

Im letzten Viertel des 19. Jh. wurde Familie Grotthuß Eigentümerin des Schlosses. Letzter Eigentümer war Lothar Baron Grotthuß. Zu seinen Zeiten wurden im alten Schloss die Dragoner des 8. Dragonerheeres von Smolensk einquartiert, die 1905 die Revolution im Kreise Hasenpoth niederschlagen sollten. Die Dragoner blieben dort mindestens bis Ende 1907.

Die deutsche Okkupationsmacht richtete 1915 im alten Schloss kurzfristig ein Kriegsgefangenenlager ein.

Nach der Agrarreform von 1920 wurde das ehemalige livländische Ordensschloss - auch altes Schloss genannt- verstaatlicht.

Am 7. Mai 1927 schlossen das Landwirtschaftsministerium als Verkäufer und die Stadtverwaltung Hasenpoth als Käuferin einen Vertrag, in dem das Ministerium 9803 m² Grundstück mit Schloss, Stall Nr. 2 und Stall Nr. 3 an die Stadt verkaufte.

Der Grundstückswert wurde mit 294 Lat und der Gebäudewert mit 3203 Lat angegeben. Dazu wurden noch 50 Lat für die endgültige Vermessung des Grundstücks und Erstellung von Plänen berechnet. Die Käuferin wurde von der Zahlung des Kaufpreises befreit unter der Auflage, hier Unterkünfte für mittellose Einwohner der Stadt zu schaffen. Ende der 20er Jahre wurde im alten Schloss Libausche Straße 9 ein Wohnheim eingerichtet.

Während der Volkszählung des Jahres 1935 waren im Schloss 14 Wohnungen (in der Wohnung Nr. 14 wohnte eine 8 köpfige Familie). Es waren insgesamt 34 Bewohner registriert.

1937 erstellte die Stadtverwaltung ein Wertgutachten für das "alte Schloss": Das 9803 m² große Grundstück wurde mit 1000 Lat bewertet, das zweistöckige mit Schindeln gedeckte Wohnhaus mit 12000 Lat und der Stall mit 1000 Lat.

Der Kulturfonds gewährte 1938 der Stadt 1500 Lat "zum Ausbau und Ausstattung der Räumlichkeiten als Museum im alten Ordensschloss Hasenpoth." Das bot dem Stadtmuseum 1939 die Möglichkeit, aus den engen Räumen des Rathauses Atmodas iela 19 in 8 Zimmer im Südflügel des alten Schlosses umzuziehen.

1939 waren dort Wohnräume für mittellose Stadtbewohner, Museumsräume, sowie auch Lagerräume für Spiritus und Branntwein.

Schon 1926 war das livländische Ordensschloss in die Liste staatlich geschützter Baudenkmäler aufgenommen worden. Heute kann aber leider nur von einer Schlossruine die Rede sein.

Am Schloss zweigt von der Libauschen Straße die Schulstraße ab, durch die man einst zur Mittelschule / Gymnasium und zum städtischen Elektrizitätswerk an der Ecke Paddernsche Straße gelangte.

 

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Valsts Kultūrkapitāla fonds

 

HEIMATMUSEUM HASENPOTH

Skolas Str.1, Aizpute, Bezirk Aizpute, LV-3456
Telefon Telefon: 00 371 29623284
e-pasts Mail: aizpute.muzejs@gmail.com 
Web Internetadresse: www.aizputesmuzejs.lv

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ÖFFNUNGSZEITEN:

01.10. - 30.04.  Werktags 09:00 - 17:00 Uhr
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01.05. - 30.09. Werktags 09:00 - 17:00 Uhr

10:00 - 14:00 Samstags